Biographie

Was veranlasst wohl einen Mann mit 82 Lenzen auf dem Rücken sich mit einem Back- oder Bäckereimuseum zu beschäftigen? Seine außergewöhnliche Laufbahn mit Höhen und Tiefen sind es sicher, die ihn zu solch einem Tun veranlassen. Hier ein kurzer Auszug:

In Denzlingen zur Schule gegangen, wollte ich eigentlich anschließend zur See fahren, was damals aus süddeutscher Sicht nur als Schiffsbäcker oder -koch möglich war. Ich war wohl ein guter Lehrling, so dass ich schon nach 2 1/2 Jahren die Gesellenprüfung als Bäcker ablegte. Anfang des Krieges meldete ich mich sofort zur Kriegsmarine, im Pflichtgefühl das Vaterland verteidigen zu müssen. So war ich bereits mit 18 Jahren Signalmaat und mit 21 Jahren auf der Steuermannschule (Navigationsschule). Zuletzt war ich bei Gotenhafen im Landeinsatz und bekam auf der Halbinsel Hela ganz zum Kriegsende das Fahrgastschiff Moritz, vollbeladen mit Flüchtlingen, zur Überfahrt nach Kiel anvertraut. Letztlich waren wir in der Schlei sicher aufgehoben, wo ich von den englischen Royals Husars den Auftrag hatte, sie mit einer Motorpinasse als Prisenkommando auf der Schlei, von Schiff zu Schiff zu schippern. Scheinbar war ich, zwar ohne Fremdsprachenkenntnisse, den Leuten doch so sympathisch, dass sie mich in das Entlassungslager fuhren, damit ich sie in der Küche als Konditor versorgen konnte. Es war in jener Zeit der großen Knappheit die beneidenswerteste Stellung überhaupt. Nachdem bekannt wurde, dass man als Entlassener nicht mehr in französische Gefangenschaft gerät, wollte ich natürlich nach Hause um zu sehen, wie es den Eltern und Geschwistern geht.

Sofort fand ich in Freiburg-Zähringen in der Bäckerei Beck eine Stellung als Bäckergeselle. Zur Freude an diesem Beruf fand ich auch bald ein Mädchen. Damit waren allerdings die Seefahrtsillusionen verflogen, denn sie wollte von der Seefahrt nichts wissen, zugleich aber nur einen Meister und keinen Gesellen heiraten. Was blieb mir mit meinen 23 Jahren und eisernem Willen übrig, als mir sofort zur ersten Meisterprüfung nach dem Kriege anzumelden. Als weit jüngster Teilnehmer bestand ich mit den besten Noten, so dass die Meisterprüfungskommission mich im Freiburger Brezelwerk empfahl.

Selbständig wollte ich werden und wurde es auch im Dezember 1947 in Eichstetten. Harte Arbeit war das dort für meine Frau und mich. Ich habe mich in der Weingemeinde gleich mit Salzbrezeln beliebt gemacht und oft Nächte durchgearbeitet.

Nach 3 Jahren wollte die Verpächterin das jetzt gutgehende Geschäft selbst übernehmen, und wir sahen uns gezwungen in Vörstetten bei den Schwiegereltern, den Düsch-Becks, zu bauen. Wir haben das Geschäft erweitert in Bäckerei, Kolonialwaren und Teigwarenfabrikation. Es war ein richtiger Familienbetrieb mit Geselle, zeitweise mit Lehrling und Mädchen als Ladenhilfe und für den Haushalt. Zuletzt hatten wir auch noch 3 Kinder. Wir waren die ersten Ladenbesitzer im Ort, die einfach das Geschäft schlossen, um im Urlaub Erholung zu finden.

Mit Leib und Seele war ich meinem Beruf verbunden und habe bei jeder Brezel oder Torte mich gefreut, wie sich der Kunde darüber freuen wird. Von unseren Magda-Eiernudeln, Neujahrsbrezeln, Butterwecken und Laugenbrezeln schwärmen die Leute heute noch. Diese Rezepte sind in meinem Vörstetter Buch DER MOSCHTKRUEG festgehalten.

Neben der vielen Arbeit war ich immer auch ein Vereinsmeier. Heute bin ich über 30 Jahre Ehrenvorsitzender im Vörstetter Fußballverein, in den ich viel Energie und Mühe einbrachte. Politisch war ich 20 Jahre im Gemeinderat aktiv. Im Gesangverein war ich ein Hansdampf in allen Gassen und aktenweise sind bei mir Gedichte eingebunden, die ich bei vielen Anlässen für Vereine, Gemeinde und später für die Sparkasse Emmendingen vortrug.

Im Jahre 1971 wurde mir der Kampf mit den Großanbietern (10 Brötchen für 35 Pf. usw.) und der stetige Streit mit dem Finanzamt zuviel. Letztlich auch wegen der Gesundheit meiner Frau, fand ich bei der Sparkasse Emmendingen ein ganz neues Betätigungsfeld. Kaum war ich dort, wurde ich auch schon Personalratsvorsitzender und hatte leider bei der Sparkasse einen schlechten Abgang, weil ich auf der Zweigstelle in Vörstetten überfallen wurde und mit schweren Verletzungen an Kopf und Händen bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

So musste ich bedingt durch die Folgen des Überfalls mit 61 Jahren in Rente gehen. Schon Jahre vorher habe ich auf Drängen der VHS Emmendingen Backkurse gegeben und die Ärzte beschworen mich, ja diese Dinge weiterzumachen, um mein Selbstvertrauen nicht zu verlieren, denn oft hatte ich Bewusstseinsstörungen und wusste gar nichts mehr. Der gewohnte lockere und vergnügliche Umgang bei den Kursen hat mir dabei sicher sehr viel geholfen.

In unserem Hof hatte ich nach unserem Geschäftsschluss einen Bauernholzofen installiert, zu dem nach und nach Geräte aus Bäckereien und aus eigenem Bestand kamen, so dass ich hier sogar Schulkindern mit Backen Unterricht erteilen konnte. Selbst im Gymnasium Denzlingen wurden mit der Back AG den Kindern von mir unvergessliche schöne Stunden bereitet.

Die Seefahrt ließ mich aber trotz alledem nicht ganz los. Die Segelei, die ich mit 15 Jahren angefangen habe, fand seine Fortsetzung 1965, als ich am Strand von St. Tropez schwor, nie mehr ohne Segelboot in den Urlaub zu fahren. Von der Norweger-Kombi-Jolle stieg ich bald auf den schnelleren Korsaren um und habe dann 1970, handwerklich begabt, mit dem Eigenbau desselben Schiffstypen begonnen. So lerne ich heute noch alljährlich den Jungseglern (Optimisten) im Seglerheim am Schluchsee die Seemannsknoten mit Butterweckenteig.

Durch den Umgang mit der Jugend, den Hausfrauen, den Landfrauen, allen Kursteilnehmern, konnte ich feststellen, dass hier etwas getan werden muss, und möchte somit in die Entwicklung des Bäckerhandwerks einen Einblick geben, an dem die Nachwelt auch noch eine Freude haben kann. Ich will hierbei allen danken, die mich in meinem Bestreben unterstützt haben, vor allen Dingen meiner Frau, die alle meine skurrilen Ideen ertragen musste, ja dann letztlich unterstützte.

Eines muss dazu gesagt werden: Sicher waren anfangs nicht alle Bäcker glücklich, dass ich solche Kurse gab. Ich aber kann allen versichern, dass mein Wirken eine echte Werbung für das Bäckerhandwerk war. Die Erkenntnis was dazu gehört, ein gutes Gebäck herzustellen, wie vielseitig, und verantwortungsvoll dieser Beruf ist, konnte ich sicher vermitteln und es gelang mir, die Vorurteile und Zweifel, eingestreut durch die Medien, abzubauen.